Beiträge mit dem Tag "National Arbitration Forum"

WIPO und NAF veröffentlichen UDRP-Statistiken für 2014

21. Oktober 2015 | Kategorien: Domainrecht, Domains, UDRP | Kein Kommentar

Die beiden größten Streitbeilegungsanbieter für Verfahren nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP), die World Intellectual Property Organization (WIPO) und das National Arbitration Forum (NAF), haben ihre Fallzahlen für 2014 veröffentlicht.

Bei der WIPO wurden insgesamt 2.126 UDRP-Verfahren geführt, in 1.868 Fällen wurde auf Übertragung erkannt und 222 Beschwerden zurückgewiesen. 36 Verfahren wurden eingestellt. Die Beschwerden betrafen in 65,18 % Domainregistrierungen unter der gTLD „.com“, gefolgt von „.net“ mit 18,85 % und „.org“ mit 5,7 %. Von den neuen Top-Level-Domains rangieren „.email“ und „.club“ auf den Positionen 6 und 8. Insgesamt betrafen die Beschwerden 5.603 Domainnamen, was im Vergleich zum Vorjahr mit 6.191 Domainnamen eine deutliche Verringerung darstellt.

Beim NAF wurden 2014 insgesamt 1.557 UDRP-Verfahren geführt. Die Verfahren betrafen 3.174 Domainnamen.

In eigener Sache: Interview zu meiner Tätigkeit als Domain-Panelist in der NJW

16. Juni 2015 | Kategorien: Domainrecht, Domains, UDRP, URS | Kein Kommentar

In der aktuellen Ausgabe (24/2015) der NJW wurde das Interview veröffentlicht, dass die NJW vor einigen Wochen mit mir geführt hat. Thema: Meine Tätigkeit als Domain-Panelist beim National Arbitration Forum (NAF) in Minneapolis, MN, USA.

Calvin Klein verliert UDRP-Verfahren um fuckcalvinklein.com – Domainname nicht mit CALVIN KLEIN-Marken verwechslungsfähig

17. April 2014 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Ein Schiedsgericht beim National Arbitration Forum (NAF) hat die UDRP-Beschwerde des Calvin Klein Trademark Trust und der Calvin Klein, Inc. gegen den Inhaber des Domainnamens “fuckcalvinklein.com” zurückgewiesen (Calvin Klein Trademark Trust & Calvin Klein, Inc. v. Alan Sleator, NAF Claim No. 1547828). In seiner Entscheidung ging der Panelist davon aus, dass zwischen dem Domainnamen und den CALVIN KLEIN-Marken keine Verwechslungsgefahr im Sinne von § 4(a)(i) der UDRP bestehe, da der Bestandteil “fuck” klarstelle, dass der Domainname nicht dem Markeninhaber zuzurechnen sei. Die Begründung der Entscheidung viel entsprechend kurz aus:

The addition of the graphic vulgarity “fuck” means that the domain name is neither identical to the Calvin Kline mark nor is it confusingly similar. See, e.g., KB Home v. RegisterFly.com- Ref# 9323034, FA 506771 (Nat. Arb. Forum Aug. 30, 2005). Because the Complainant has failed to meet the first element of the Policy, ¶4(a)(i), there is no need to examine the other two Policy elements.

Die Entscheidung ist in diesem Punkt höchst fragwürdig. Die ganz überwiegende Mehrheit der Schiedsgerichte geht davon aus, dass das Erfordernis der “confusing similarity” im Sinne des § 4(a)(i) der UDRP immer dann erfüllt ist, wenn ein Domainname die Marke des Beschwerdeführers enthält, auch wenn darüber hinaus weitere beschreibende Bestandteile im Domainnamen enthalten sind. Insoweit ist anerkannt, dass sich die Anforderungen an eine verwechslungsfähige Ähnlichkeit nach der UDRP von denen im klassischen Markenrecht unterscheiden.

Die Argumentation des Schiedsrichters erinnert an die bereits kurz nach Einführung der UDRP im jahr 1999 begonnene und langjährig geführte Diskussion, ob Domainnamen, die sog. pejorative Zusätze (“sucks”, “fraud” u.ä.) enthalten, mit einer Marke verwechslungsfähig ähnlich im Sinne der UDRP sein können. Hier wurde vornehmlich von US-amerikanischen Schiedsrichtern unter Verweis auf Entscheidungen US-amerikanischer Gerichte die Mindermeinung vertreten, dass die Hinzufügung pejorativer Zusätze eine Verwechslungsgefahr schlicht ausschließe, da kein vernünftiger und umsichtiger Internetnutzer (“reasonably prudent user”) einen entsprechenden Domainnamen mit einer Marke verwechseln würde. Diese Auffassung dürfte heute als gänzlich überholt angesehen werden und wurde, soweit ersichtlich, zuletzt 2010 von einer US-amerikanischen Schiedsrichterin vertreten.

Erste Beschwerden nach dem Uniform Rapid Suspension System (URS) zurückgewiesen – Rechteinhaber scheitern an hoher Beweislast

2. April 2014 | Kategorien: Domainrecht, new gTLD, URS | Kein Kommentar

Im Zusammenhang mit der der Vergabe neuer Top-Level-Domainnamen wurde mit dem Uniform Rapid Suspension System (URS) ein weiterer Schutzmechanismus eingeführt, der es Markeninhabern ermöglicht, auf schnellem Weg gegen missbräuchliche Domainregistrierung und Domainbenutzung vorzugehen. Im Unterschied zu Verfahren nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) kann mit dem Verfahren nur eine Sperrung der unter dem betroffenen Domainnamen abrufbaren Webseite und nicht auch die umgehende Löschung oder Übertragung des Domainnamens erwirkt werden.

Das URS zielt ebenso wie die UDRP auf Fälle offensichtlicher rechtsverletzender Domainregistrierungen ab und die Anspruchsvoraussetzungen entsprechen denen der UDRP weitestgehend. Die Anforderungen an den Vortrag des Beschwerdeführers sind im Gegensatz zur UDRP jedoch höher: dieser muss im URS-Verfahren eindeutige und bestechende Nachweise („clear and convincing evidence“) vorlegen. Genau hier scheinen die Rechteinhaber die größten Probleme zu haben. Von den bislang 25 anhängig gemachten URS-Beschwerden wurden lediglich drei abgelehnt, diese jedoch gleichermaßen mit der Begründung, dass der jeweilige Beschwerdeführer seinen Anspruch nicht hinreichend nachgewiesen habe. Wörtlich heißt es in den Entscheidungen:

Virgin Enterprises Limited v. lawrence fain, NAF Claim No. 1545807 (<branson.guru>)

„Further, the only use of the disputed domain name that has been provided by Complainant is what appears to be a generic, monetized parking page for the registrar, Go Daddy, which does not appear to include any references to Complainant, Richard Branson or the BRANSON trademark.

Taken together, these issues – that is, failure to establish in the record that the relevant trademark is strong plus the absence of any evidence that the domain name is currently being used in a manner that is associated with that trademark – do not convince this Examiner by clear and convincing evidence that the Registrant has no legitimate right or interest to the domain name or that the domain was registered and is being used in bad faith.“

Heartland Payment Systems, Inc. v. Whois Privacy Protection Service, Inc.; Kyle Ramsey, NAF Claim No. 1547394 (<heartland.holdings>)

„Further, the only use of the disputed domain name that has been provided by Complainant is what appears to be a generic, monetized parking page that includes references to numerous “Related Links” that appear to bear no association with the HEARTLAND trademark (such as “Heartland College,” “Heartland Institute” and “Heartland Poker Tour”) and “Sponsored Listings” that also appear to bear no association with the HEARTLAND trademark (such as those titled “Watch TV Episodes Online” and “Free Printable Coupons”). Although the website also includes other links that are related to the HEARTLAND trademark (such as “Heartland Payment” and perhaps “Heartland Bank”), these are less prominent and appear to be incidental.

Taken together, these issues – that is, failure to establish in the record that the relevant trademark is exclusively or most commonly associated with Complainant plus the absence of any evidence that the domain name is currently being used in a manner that is exclusively or strongly associated with that trademark – do not convince this Examiner by clear and convincing evidence that the Registrant has no legitimate right or interest to the domain name or that the domain was registered and is being used in bad faith.“

Heartland Payment Systems, Inc. v. Redwood Capital, NAF Claim No. 1547419 (<heartland.ventures>)

„Further, the only use of the disputed domain name that has been provided by Complainant is what appears to be a generic parking page provided by the Registrar, which includes the text “Featuring the future site for: www.heartland.ventures” along with some technical details and small display advertisements for services unrelated to the HEARTLAND trademark (such as those bearing the text “SSL Security” and “Email Hosting”).

Taken together, these issues – that is, failure to establish in the record that the relevant trademark is exclusively or most commonly associated with Complainant plus the absence of any evidence that the domain name is currently being used in a manner that is associated with that trademark – do not convince this Examiner by clear and convincing evidence that the Registrant has no legitimate right or interest to the domain name or that the domain was registered and is being used in bad faith. The Examiner is further unconvinced that a registrant’s speculation in domain names is, without more, sufficient under the URS to establish bad faith.“

Im Ergebnis zeigt sich, dass die Einleitung eines URS-Verfahrens wohlüberlegt werden sollte. Da der Beschwerdeführer mit seinem Vortrag auf 500 Worte beschränkt ist, sind die Möglichkeiten, den Panelist in nicht eindeutigen Fällen zu überzeugen, sehr begrenzt.

IBM gewinnt erstes URS-Verfahren um Domainregistrierungen unter neuen Top-Level-Domains (ibm.guru, ibm.ventures)

17. Februar 2014 | Kategorien: Domainrecht, new gTLD, URS | Kein Kommentar

Screenshot ibm.guru

Screenshot ibm.guru

Nur sieben Tage nach Einreichung wurde der ersten Beschwerde gegen Domainregistrierungen unter den neuen Top-Level-Domains nach dem Uniform Rapid Suspension System (URS) stattgegeben. In dem Verfahren betreffend der Domainnamen „ibm.guru“ und „ibm.ventures“, die durch eine natürliche Person aus den USA registriert und auf Webseiten der Beschwerdeführerin weitergeleitet worden waren, ordnete das Schiedsgericht die Suspendierung der Domainnamen an (International Business Machines Corporation v. Denis Antipov, NAF Claim No. 1542313).

Das Beschwerde-Panel sah es als erwiesen an, dass der Domaininhaber keine Rechte oder berechtigte Interessen an den Domainnamen hat und die Domainnamen bösgläubig registriert und benutzt wurden. Im Zusammenhang mit der bösgläubigen Registrierung stellte das Panel auf die Trademark Claim Notice ab, die der Domaininhaber vor Registrierung der Domainnamen auf Grund des Markeneintrags der Beschwerdeführerin für die Marke „IBM“ im Trademark Clearinghouse (TMCH) erhalten hatte:

The Respondent is required to have clicked on the GoDaddy notice „Acknowledge Claim“ when presented with the Trademark Claims Notice to complete registration of the name. Respondent at the time of registration of the disputed domain names knew of the existence of the Complainant’s trademarks. 

IBM macht erstes Verfahren nach dem Uniform Rapid Suspension System (URS) für ibm.guru und ibm.ventures beim National Arbitration Forum anhängig

7. Februar 2014 | Kategorien: Domainrecht, URS | 1 Kommentar

Nur einen Tag nach dem Start der ersten Live-Registrierungphasen für Domainnamen unter den neuen Top-Level-Domains hat die International Business Machines Corporation (IBM) ein Verfahren nach dem Uniform Rapid Suspension System (URS) beim National Arbitration Forum (NAF) anhängig gemacht. Das Verfahren betrifft die Domainnamen „ibm.guru“ und „ibm.ventures“, die beide durch eine natürliche Person in Jersey City, New Jersey, USA, registriert und bislang nicht aktiv genutzt wurden. Es bleibt abzuwarten, ob IBM vor dem Hintergrund der bislang fehlenden Benutzung der Nachweis gelingt, dass es sich um offensichtlich rechtsverletzende Domainregistrierungen handelt.

Bislang gibt es nur eine URS-Entscheidung, die den Domainnamen „facebok.pw“ betraf.

UDRP: flybluecig.com und flyingbluecig.com nicht ähnlich mit BLU ECIGS-Marke

4. Dezember 2013 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Ein Panel beim National Arbitration Forum (NAF) verneinte in dem UDRP-Verfahren um die Domainnamen „flybluecig.com“ und „flyingbluecig.com“ eine Ähnlichkeit mit der „BLU ECIGS“-Marke der Beschwerdeführerin (Lorillard Technologies, Inc. v. Mr Paul Pearson / Advanced Diets, NAF Claim No. 1528825). Es ging davon aus, dass die in den Domainnamen zusätzlich enthaltenen Worte „fly“ und „flying“ und der fehlende Plural zu einen hinreichenden Abstand zwischen den Domainnamen und der Marke der Beschwerdeführerin schaffe, so dass keine Verwechslungsgefahr im Sinne des § 4(a)(i) der UDRP bestehe:

Contrary to the Complainant’s assertion, the Panel holds that the addition of  “FLY” and “FLYING” along with the lack of the “S” in the disputed domain names sufficiently differentiate the disputed domain names from the Complainant’s marks. See Tire Discounters, Inc. v. TireDiscounter.com, FA 679485 (Nat. Arb. Forum June 14, 2006)(finding that even minor changes are extremely persuasive in differentiating domain names from marks given that consumers are aware that these small differences are key to arriving at the sought-after website); see also Amazon.com, Inc. v. Integration Unlimited, Inc., FA 183725 (Nat. Arb. Forum Sept. 25, 2003) (finding the <amazonallergy.com> domain name was not confusingly similar to the complainant’s AMAZON.COM mark because the additional term “allergy” bore “little to no actual relationship with the activities performed under Complainant’s AMAZON.COM mark”). Given that disputed domain names not only add an additional term to each domain, but also delete a letter from the mark allegedly incorporated into the domains, the Panel holds that the disputed domain names are not confusingly similar to Complainant’s mark pursuant to Policy ¶ 4(a)(i).

Die Entscheidung ist insoweit bemerkenswert, weil UDRP-Panels üblicherweise davon ausgehen, dass eine verwechslungsfähige Ähnlichkeit regelmäßig schon dann gegeben ist, wenn die Marke des Beschwerdeführers in der Second-Level-Domain enthalten ist. Zusätzliche beschreibende Bestandteile innerhalb eines Domainnamens wie auch Abweichungen im Numerus werden dabei regelmäßig als unbeachtlich eingestuft.

facebok.pw – Erste Entscheidung nach dem Uniform Rapid Suspension System (URS) ergangen

20. November 2013 | Kategorien: Domainrecht, URS | 2 Kommentare

Screenshot facebok.pw

Mit dem Uniform Rapid Suspension System (URS) wurde im Zuge der Einführung der neuen Top-Level-Domains ein weiterer Schutzmechanismus eingeführt, der es Markeninhabern ermöglicht, auf schnellem Weg gegen missbräuchliche Domainregistrierung und Domainbenutzung vorzugehen. Dabei kann im URS-Verfahren im Gegensatz zum Verfahren nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP), in dem die Löschung oder Übertragung eines Domainnamens beantragt werden kann, nur die Stilllegung erwirkt werden.

Die neuen Top-Level-Domains wurden noch nicht einmal eingeführt (aktuell läuft die erste Sunrise-Phase), da wurde schon die erste URS-Entscheidung veröffentlicht. Die .PW Registry, die die ccTLD “.pw” (Palau) als “Professional Web” vermarktet, hatte bereits im Sommer dieses Jahres das URS-Verfahren für Second-Level-Domains unter der TLD „.pw“ für verbindlich erklärt und ermöglichte auf diesem Weg die erste URS-Entscheidung noch vor Einführung der neuen Top-Level-Domains.

Der Sachverhalt im Fall um „facebok.pw“ (Facebook Inc. v. Radoslav, NAF Claim No. 1515825) scheint sehr eindeutig gewesen zu sein, so dass zu Gunsten der Antragstellerin entschieden wurde. Unter dem Domainnamen ist noch bis zum Ende des Registrierungszeitraums ein Hinweis abrufbar, dass die Webseite stillgelegt wurde.

Weitere Einzelheiten zum URS-Verfahren finden Sie im Beitrag Uniform Rapid Suspension System (URS).

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