Beiträge mit dem Tag "World Intellectual Property Organization"

WIPO und NAF veröffentlichen UDRP-Statistiken für 2014

21. Oktober 2015 | Kategorien: Domainrecht, Domains, UDRP | Kein Kommentar

Die beiden größten Streitbeilegungsanbieter für Verfahren nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP), die World Intellectual Property Organization (WIPO) und das National Arbitration Forum (NAF), haben ihre Fallzahlen für 2014 veröffentlicht.

Bei der WIPO wurden insgesamt 2.126 UDRP-Verfahren geführt, in 1.868 Fällen wurde auf Übertragung erkannt und 222 Beschwerden zurückgewiesen. 36 Verfahren wurden eingestellt. Die Beschwerden betrafen in 65,18 % Domainregistrierungen unter der gTLD „.com“, gefolgt von „.net“ mit 18,85 % und „.org“ mit 5,7 %. Von den neuen Top-Level-Domains rangieren „.email“ und „.club“ auf den Positionen 6 und 8. Insgesamt betrafen die Beschwerden 5.603 Domainnamen, was im Vergleich zum Vorjahr mit 6.191 Domainnamen eine deutliche Verringerung darstellt.

Beim NAF wurden 2014 insgesamt 1.557 UDRP-Verfahren geführt. Die Verfahren betrafen 3.174 Domainnamen.

canyon.bike: Canyon Bicycles GmbH gewinnt erstes UDRP-Verfahren um Domainregistrierung unter einer neuen Top-Level-Domain

19. März 2014 | Kategorien: Domainrecht, new gTLD, UDRP | Kein Kommentar

Die aktuell in Einführung befindlichen neuen Top-Level-Domains sind in der Welt der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) angekommen: mit der Entscheidung um den Domainnamen „canyon.bike“ wurde der ersten Beschwerde eines Markeninhabers gegen eine Domainregistrierung unter einer neuen Top-Level-Domain stattgegeben (Canyon Bicycles GmbH v. Domains By Proxy, LLC / Rob van Eck, WIPO Case No. D2014-0206).

Der Fall als solches ist weitestgehend unspektakulär. Der Domainname ist mit den Marken der Beschwerdeführerin identisch nach § 4(a)(i) der UDRP und wurde in Verbindung mit einer markenrechtsverletzenden Parking-Webseite genutzt. Der Domaininhaber selbst trug vor, er habe den Domainnamen registriert, um die Beschwerdeführerin vor „Domainsquatting“ zu schützen:

The Respondent states that he registered the disputed domain name to enlarge his network and “get in (friendly) contact with Canyon.” The Respondent submits that a lot of people in the cycling industry did not know of the forthcoming new gTLDs and he therefore registered some domain names “to protect companies” from domain squatting. The Respondent adds that before he was able to contact the Complainant it filed the present Complaint. The Respondent states that it is his belief that the Parties would have “talked about” the disputed domain name and that the Complainant would have received a transfer thereof without recourse to the Policy. The Respondent asserts that many companies have been content with his actions. The Respondent states that while rules may prohibit a person registering a trademark in a domain name he did this with the best of intentions.

Bemerkenswert ist jedoch, dass sich der Schiedsrichter mit der Frage befasste, ob die Top-Level-Domain selbst bei der Beurteilung der Identität oder verwechslungsfähigen Ähnlichkeit zwischen der Marke des Beschwerdeführers und dem Domainnamen im Sinne des § 4(a)(i) der UDRP zu berücksichtigen ist. Er verneinte dies für den vorliegenden Fall, stellte jedoch fest, dass eine Berücksichtigung im Einzelfall dienlich sein könne:

The Complainant also makes the additional argument that the gTLD in the present case, “.bike”, exacerbates confusing similarity because it describes a core product of the Complainant. The Panel finds that, given the advent of multiple new gTLD domain names, panels may determine that it is appropriate to include consideration of the top-level suffix of a domain name for the purpose of the assessment of identity or similarity in a given case, and indeed that there is nothing in the wording of the Policy that would preclude such an approach. However, the Panel considers that it is not necessary to do so in the present case.

Zu früh geschossen: Standard & Poor’s Financial Services LLC verliert UDRP-Verfahren um boycottstandardandpoors.com

3. Januar 2014 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Die international bekannte Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s scheiterte mit dem Versuch, den Domainnamen „boycottstandardandpoors.com“ in einem Verfahren nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) übertragen zu bekommen (Standard & Poor’s Financial Services LLC v. Christian Mendes, WIPO Case No. D2013-1546).

Die Entscheidung ist aus meiner Sicht bemerkenswert, da der Domainname bislang ungenutzt war und der Domaininhaber sich lediglich darauf berufen hat, seine Rechte nach dem Ersten Zusatz zur US-amerikanischen Verfassung auszuüben und den Domainnamen nicht in Verbindung mit rechtsverletzenden Angeboten nutzen zu wollen. Damit stand eine zulässige Nutzung des Domainnamens nach § 4(c)(iii) der UDRP im Raum („you are making a legitimate noncommercial or fair use of the domain name, without intent for commercial gain to misleadingly divert consumers or to tarnish the trademark or service mark at issue.“). Allerdings privilegiert diese Regelung nach Ihrem Wortlaut im Gegensatz zu § 4(c)(i) der UDRP nicht Vorbereitungshandlungen oder die theoretische Möglichkeit einer entsprechenden Benutzung sondern eigentlich nur eine bereits erfolgte Nutzung. In § 4(c)(i) der UDRP steht im Gegensatz dazu: „before any notice to you of the dispute, your use of, or demonstrable preparations to use, the domain name or a name corresponding to the domain name in connection with a bona fide offering of goods or services“.

Das Schiedsgericht ging gleichwohl davon aus, dass eine zulässige Nutzung nicht ausgeschlossen und die Beschwerde zu früh eingereicht worden sei. Der Beschwerdeführer solle die konkrete Nutzung des Domainnamens abwarten. Wörtlich heißt es in der Entscheidung:

B. Rights or Legitimate Interests

As Respondent conceivably could use the domain name at issue in a manner that would not constitute bad faith registration and use, and as the domain name at issue has yet to be used to resolve to a web site, Complainant has failed to establish that Respondent has no rights or legitimate interests in respect of the domain name at issue.

C. Registered and Used in Bad Faith

Respondent is not currently using the domain name to resolve to a web site. Since it is conceivable that Respondent could use the domain name in such a way that Respondent did not seek to profit from the good will attached to Complainant’s family of marks, the complaint has been brought prematurely. Should Respondent in the future seek to profit from the good will attached to Complainant’s family of marks, Complainant may file a complaint at such time. Accordingly, the Panel finds that at present, Complainant has failed to establish bad faith registration and use as required under the Policy.

WIPO Arbitration and Mediation Center veröffentlicht Abschlussbericht zu Legal Rights Objections

17. Dezember 2013 | Kategorien: Domains, new gTLD | Kein Kommentar

Das Arbitration and Mediation Center der WIPO in Genf hat einen sehr ausführlichen Abschlussbericht zu den dort im Rahmen des new gTLD-Programms der ICANN durchgeführten Legal Rights Objections (LRO) veröffentlicht.

new gTLD: Merck KGaA verklagt Merck & Co. vor dem LG Hamburg, Sina Corporation in zwei Verfahren erfolgreich

13. September 2013 | Kategorien: Domainrecht, Domains, new gTLD | Kein Kommentar

In den letzten Tagen wurden die folgenden weiteren Entscheidungen in Legal Rights Objection (LRO) Verfahren veröffentlicht:

Lediglich die Sina Corporation war mit den von ihr angestrengten Verfahren erfolgreich, die die Strings „微博“ (nach dem bestrittenen Vortrag des angegriffenen Antragstellers eine für den von beiden Parteien angebotenen Micro Blogging Service beschreibende Angabe) und „WEIBO“, die chinesische Transliteration des Strings „微博“, betrafen. Die Mehrheit des Dreierpanels gab den Objections statt.

Nach Informationen von DomainNameWire will die Merck KGaA ihre Niederlagen in den LRO-Verfahren nicht ohne Weiteres hinnehmen. Neben einem Reconsideration Request, den die Merck KGaA bei der ICANN eingereicht hat, wurden auch Klagen in Deutschland und Großbritannien anhängig gemacht. Es ist anzunehmen, dass damit argumentiert wird, dass die mögliche Zuteilung der Top-Level-Domains „MERCK“ an die Merck Registry Holdings, Inc. zu einer Veränderung der zwischen der Merck KGaA und der Merck & Co. bestehenden Gleichgewichtslage führt.

Aktueller Zwischenstand: 
Objection Rejected: 59
Ojection Upheld: 4
Terminated: 5
Pending: 1

new gTLD: Acht weitere Legal Rights Objections zurückgewiesen

27. August 2013 | Kategorien: Domainrecht, Domains, new gTLD | Kein Kommentar

Im Tagesrhythmus werden weitere Entscheidungen der WIPO in Legal Rights Objections (LRO) Verfahren veröffentlicht, die, wie bereits in der Vergangenheit, sämtlich zurückgewiesen werden. Zu den bislang 46 erfolglosen Widersprüchen gesellen sich acht weitere:

Aktueller Zwischenstand: 
Objection Rejected: 54
Ojection Upheld: 2
Terminated: 5
Pending: 8

EVIAN verliert UDRP-Verfahren um eviantclip.com weil Domain auf Drittmarke EVIANT ausgerichtet ist

22. August 2013 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Die zur DANONE Gruppe gehörende Herstellerin des Mineralwassers EVIAN, Société Anonyme des Eaux Minérales d’Evian, scheiterte mit dem Versuch, den Domainnamen „eviantclip.com“ im Wegen des UDRP-Verfahrens übertragen zu bekommen (Société Anonyme des Eaux Minérales d’Evian (SAEME) v. Orlin Zefirov / Domain Administrator PrivacyGuardian.org, WIPO Case No. D2013-0850). Das Schiedsgericht ging zwar davon aus, dass zwischen dem Domainnamen und den EVIAN-Marken eine verwechslungsfähige Ähnlichkeit im Sinne des § 4(a)(i) der UDRP besteht, sah es jedoch nicht als nachgewiesen an, dass der Domainname durch den Domaininhaber im Hinblick auf die EVIAN-Marken bösgläubig im Sinne des § 4(a)(iii) der UDRP registriert wurde. In diesem Zusammenhang stellte das Panel darauf ab, dass im vorliegenden Fall der Umstand, dass die EVIAN-Marke im Domainnamen enthalten ist, kein hinreichender Hinweis darauf sei, dass der Domaininhaber diese zum Zeitpunkt der Registrierung des Domainnamens kannte, weil es eine zu Gunsten eines Dritten registrierte Marke EVIANT gebe, die dem Domainnamen noch ähnlicher sei. Auch die unter dem Domainnamen abrufbar gehaltenen Werbelinks hätten mehr Bezug zum Schutzbereich der Marke EVIANT als zu dem der EVIAN-Marken:

This is one of such cases: considering the existence of the trademark EVIANT, which coexists in the marketplace with Complainant’s trademark EVIAN, and the fact that the disputed domain name resolves to a page that does not make any reference to Complainant’s trademark EVIAN, nor to mineral water or any sort of drinks and beverages, the Panel finds there is no compelling evidence of bad faith of Respondents towards Complainant.

It is indeed true that Complainant is famous for its “video clips” advertisements with dancing babies, but from that it does not automatically follow that Respondent’s intent was to take advantage of Complainant’s publicity campaign by e.g. benefitting from an Internet user’s typing mistake (“typosquatting”). This Panel finds that if Respondent’s intent were to “typosquat” it would more likely have registered all possible letters between “evian” and “clip” (which is not the case here), or have chosen a letter that in the QWERTY keyboards (the more commonly used in the Western Hemisphere) were located close to the “N” (the last letter of “evian”) or to the “C” (the first letter of “CLIP”). Instead, Respondent chose the letter “T” that is located far in the QWERTY keyboard from both “N” and “C”, which make virtually impossible for a typographical mistake of the Internet user to occur. In other words, the Panel’s view is that a person will only type “eviant” if they intend to do so, and not inadvertantly.

The third element of the UDRP requires that a respondent has targeted the trademark and goodwill established by a complainant. It is the Panel’s opinion, on the present record, that there is not sufficient evidence that Respondents targeted Complainant when registering the disputed domain name. It is important to stress that any attempt of Respondents to make profit on the goodwill of the electronics company and their trademark EVIANT can only be subject of an objection filed by such company, and not by Complainant. It is not for the Panel to decide this Complaint based on rights that are presumed to belong to a third party, not involved in the proceedings.

It is also important to stress that the UDRP is a limited legal proceeding, designed for clear cases of bad faith conduct, that can be shown within the narrow scope of the expedite proceedings. In many UDRP cases bad faith is inferred from the overall factual circumstances of the case. But any such inference of bad faith must be based on the overall circumstances of the case and in the present case the overall circumstances do not allow the Panel to conclude that Respondents have targeted the trademark or the goodwill of Complainant.

In short, despite the fact that the disputed domain name incorporates the trademark EVIAN, the disputed domain name also incorporates the trademark EVIANT and the website at the disputed domain name displays links to commercial webpages which the Panel finds to be more likely related to the trademark EVIANT. In light of the aforesaid, the Panel notes that the disputed domain name might have been registered with an intention of being connected to trademark EVIANT, but this is not for the Panel to decide here. What is at stake in this proceeding is only whether the disputed domain name was registered and used with an intention of being connected to Complainant’s trademark EVIAN and to this question the Panel answers that not only there is no proof of such intention in the current record, but also that certain aspects of the record may point to the opposite direction, i.e. that Respondent’s intention was not to target Complainant.

Accordingly, the Panel finds that Complainant has not satisfied the requirements of paragraph 4(a)(iii) of the Policy.

new gTLD: Erste erfolgreiche Legal Rights Objections (LROs) veröffentlicht

20. August 2013 | Kategorien: Domainrecht, Domains, new gTLD | Kein Kommentar

Die Liste der erfolglosen Legal Rights Objections (LRO)  wird immer länger. Neben den bislang veröffentlichten Entscheidungen wurden zwischenzeitlich insgesamt 21 weitere Entscheidungen veröffentlicht, die sämtlich zu Gunsten des Widerspruchsgegners entschieden wurden:

Interessant von diesen Entscheidungen sind vor allem die MERCK und EMERCK-Entscheidungen. Bei der Merck & Co, Inc. handelt es sich um einen früheren Teil der Merck KGaA, der als Folge des 2. Weltkriegs abgespalten wurde. Das Panel stellte zur Frage einer möglichen Verwechslungsgefahr fest:

It is possible that Applicant’s use of the Disputed gTLD String could create a likelihood of confusion with Objector’s mark as to the source, sponsorship, affiliation, or endorsement of the Disputed gTLD String. However, such possible confusion would not be greater than any that may already exist as a result of two similar companies using a similar trademark as the result of a common history. Applicant has made it clear that it will take all necessary measures, including geo-targeting, to avoid that Internet users in the territories in which Objector has trademark rights, will be able to visit websites that use the Disputed gTLD String. Should Applicant use the Disputed gTLD String in a way that infringes the rights of Objector, Objector shall be free to take the appropriate legal measures.

Die erste erfolgreiche Objection war das Verfahren um die new gTLD DELMONTE (Del Monte Corporation v. Del Monte International GmbH, WIPO Case No. LRO2013-0001), in welchem ein Markeninhaber gegen einen seiner Lizenznehmer vorging. Wenig überraschend konnte der Lizenzgeber in dem Verfahren obsiegen:

The Panel majority considers that the applied-for gTLD string, being identical to the Objector’s well-known mark, and given the nature of the Respondent’s proposed use, will create a likelihood of confusion between the gTLD and the Objector’s mark. The Panel must conclude, however, that the gTLD creates an impermissible likelihood of confusion in order to sustain the Objection. Several LRO panels have considered that a respondent’s behaviour, short of bad faith, may be relevant to this determination.

[…]

The Panel majority finds that there is something untoward about the Respondent’s behaviour in this case. As previously indicated, the Respondent arguably violated the terms of its Licence Agreements with
the Objector by acquiring trade mark registrations that under the circumstances might have been acquired to bolster the Respondent’s eventual gTLD application. In light of all the attendant circumstances, and
considering such untoward behaviour, the Panel majority believes the gTLD creates an impermissible likelihood of confusion between the gTLD and the Objector’s mark.

Auch im Verfahren um die TLD DIRECT (The DirecTV Group Inc. v. Dish DBS Corporation, WIPO Case No. LRO2013-0005) konnte der Objector obsiegen. Hier versuchte tatsächlich ein direkter Konkurrent des Objectors (beide bieten als direkte Konkurrenten auf dem US-amerikanischen Markt Satelliten-TV an), sich den TLD-String zu sichern, der dem übereinstimmenden Bestandteil der Serienmarke des Objectors entspricht, um diesen beschreibend zu benutzen. Soweit ersichtlich handelt es sich bei diesem Verfahren um das bislang einzige, bei dem man von Top-Level-Domain-Grabbing sprechen könnte, dem originären Anwendungsbereich des Legal Rights Objection Verfahrens.

Aktueller Zwischenstand: 
Objection Rejected: 46
Ojection Upheld: 2
Terminated: 5
Pending: 16

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