Beiträge mit dem Tag "Schiedsverfahren"

Calvin Klein verliert UDRP-Verfahren um fuckcalvinklein.com – Domainname nicht mit CALVIN KLEIN-Marken verwechslungsfähig

17. April 2014 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Ein Schiedsgericht beim National Arbitration Forum (NAF) hat die UDRP-Beschwerde des Calvin Klein Trademark Trust und der Calvin Klein, Inc. gegen den Inhaber des Domainnamens “fuckcalvinklein.com” zurückgewiesen (Calvin Klein Trademark Trust & Calvin Klein, Inc. v. Alan Sleator, NAF Claim No. 1547828). In seiner Entscheidung ging der Panelist davon aus, dass zwischen dem Domainnamen und den CALVIN KLEIN-Marken keine Verwechslungsgefahr im Sinne von § 4(a)(i) der UDRP bestehe, da der Bestandteil “fuck” klarstelle, dass der Domainname nicht dem Markeninhaber zuzurechnen sei. Die Begründung der Entscheidung viel entsprechend kurz aus:

The addition of the graphic vulgarity “fuck” means that the domain name is neither identical to the Calvin Kline mark nor is it confusingly similar. See, e.g., KB Home v. RegisterFly.com- Ref# 9323034, FA 506771 (Nat. Arb. Forum Aug. 30, 2005). Because the Complainant has failed to meet the first element of the Policy, ¶4(a)(i), there is no need to examine the other two Policy elements.

Die Entscheidung ist in diesem Punkt höchst fragwürdig. Die ganz überwiegende Mehrheit der Schiedsgerichte geht davon aus, dass das Erfordernis der “confusing similarity” im Sinne des § 4(a)(i) der UDRP immer dann erfüllt ist, wenn ein Domainname die Marke des Beschwerdeführers enthält, auch wenn darüber hinaus weitere beschreibende Bestandteile im Domainnamen enthalten sind. Insoweit ist anerkannt, dass sich die Anforderungen an eine verwechslungsfähige Ähnlichkeit nach der UDRP von denen im klassischen Markenrecht unterscheiden.

Die Argumentation des Schiedsrichters erinnert an die bereits kurz nach Einführung der UDRP im jahr 1999 begonnene und langjährig geführte Diskussion, ob Domainnamen, die sog. pejorative Zusätze (“sucks”, “fraud” u.ä.) enthalten, mit einer Marke verwechslungsfähig ähnlich im Sinne der UDRP sein können. Hier wurde vornehmlich von US-amerikanischen Schiedsrichtern unter Verweis auf Entscheidungen US-amerikanischer Gerichte die Mindermeinung vertreten, dass die Hinzufügung pejorativer Zusätze eine Verwechslungsgefahr schlicht ausschließe, da kein vernünftiger und umsichtiger Internetnutzer (“reasonably prudent user”) einen entsprechenden Domainnamen mit einer Marke verwechseln würde. Diese Auffassung dürfte heute als gänzlich überholt angesehen werden und wurde, soweit ersichtlich, zuletzt 2010 von einer US-amerikanischen Schiedsrichterin vertreten.

UDRP: Erwähnung einer Bezeichnung in einem Tweet nicht zur Begründung nichteingetragener Markenrechte geeignet

7. Februar 2014 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

In einer aktuellen Entscheidung in einem Verfahren nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) wurde der Panelist mit der Behauptung des Beschwerdeführers konfrontiert, er habe die Bezeichnung “La Bomba Ibiza” am 12.01.2013 innerhalb eines Tweets auf Twitter benutzt und damit nichteingetragene Markenrechte (sog. „unregistered trademark rights“) im Sinne der UDRP begründet (Play Club by Cipriani, S.L. / Giuseppe Cipriani v. Identity Protection Service / Amir Zeb / Eyhab Jumean, WIPO Case No. D2013-1883).

Voraussetzung für das Entstehen solcher nichteingetragener Markenrechte ist nach der Rechtsprechung der Panels, dass ein Begriff Verkehrsdurchsetzung (“secondary meaning”) hat. Faktoren, die für eine solche Verkehrsdurchsetzung sprechen, sind unter anderem die Dauer der Benutzung des Zeichens, die Umsätze, die mit dem Zeichen erzielt wurden, die Werbeausgaben und das Medienecho. Richtigerweise ging das Panel davon aus, dass die bloße Erwähnung in einem Tweet hierfür nicht ausreichend sein kann. Es führte wörtlich aus:

In order to establish this, the Complainants have provided evidence of a tweet on January 12, 2013 which included the phrase “La Bomba Ibiza”. The Panel accepts the Respondents’ evidence that “Bomba Ibiza” had not been chosen as the nightclub’s name at the time of the tweet. The Panel considers it highly unlikely that “Bomba Ibiza” became a distinctive identifier associated with the Complainants’ services in the time between the tweet (January 12, 2013) and the registration of the Disputed Domain Names (February 12, 2013). As such, the tweet alone is insufficient evidence of unregistered trademark rights to satisfy the first element of the Policy.

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Argumentation versucht wird, Domainnamen im Wege des UDRP-Verfahrens übertragen zu bekommen.

Zu früh geschossen: Standard & Poor’s Financial Services LLC verliert UDRP-Verfahren um boycottstandardandpoors.com

3. Januar 2014 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Die international bekannte Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s scheiterte mit dem Versuch, den Domainnamen „boycottstandardandpoors.com“ in einem Verfahren nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) übertragen zu bekommen (Standard & Poor’s Financial Services LLC v. Christian Mendes, WIPO Case No. D2013-1546).

Die Entscheidung ist aus meiner Sicht bemerkenswert, da der Domainname bislang ungenutzt war und der Domaininhaber sich lediglich darauf berufen hat, seine Rechte nach dem Ersten Zusatz zur US-amerikanischen Verfassung auszuüben und den Domainnamen nicht in Verbindung mit rechtsverletzenden Angeboten nutzen zu wollen. Damit stand eine zulässige Nutzung des Domainnamens nach § 4(c)(iii) der UDRP im Raum („you are making a legitimate noncommercial or fair use of the domain name, without intent for commercial gain to misleadingly divert consumers or to tarnish the trademark or service mark at issue.“). Allerdings privilegiert diese Regelung nach Ihrem Wortlaut im Gegensatz zu § 4(c)(i) der UDRP nicht Vorbereitungshandlungen oder die theoretische Möglichkeit einer entsprechenden Benutzung sondern eigentlich nur eine bereits erfolgte Nutzung. In § 4(c)(i) der UDRP steht im Gegensatz dazu: „before any notice to you of the dispute, your use of, or demonstrable preparations to use, the domain name or a name corresponding to the domain name in connection with a bona fide offering of goods or services“.

Das Schiedsgericht ging gleichwohl davon aus, dass eine zulässige Nutzung nicht ausgeschlossen und die Beschwerde zu früh eingereicht worden sei. Der Beschwerdeführer solle die konkrete Nutzung des Domainnamens abwarten. Wörtlich heißt es in der Entscheidung:

B. Rights or Legitimate Interests

As Respondent conceivably could use the domain name at issue in a manner that would not constitute bad faith registration and use, and as the domain name at issue has yet to be used to resolve to a web site, Complainant has failed to establish that Respondent has no rights or legitimate interests in respect of the domain name at issue.

C. Registered and Used in Bad Faith

Respondent is not currently using the domain name to resolve to a web site. Since it is conceivable that Respondent could use the domain name in such a way that Respondent did not seek to profit from the good will attached to Complainant’s family of marks, the complaint has been brought prematurely. Should Respondent in the future seek to profit from the good will attached to Complainant’s family of marks, Complainant may file a complaint at such time. Accordingly, the Panel finds that at present, Complainant has failed to establish bad faith registration and use as required under the Policy.

UDRP: flybluecig.com und flyingbluecig.com nicht ähnlich mit BLU ECIGS-Marke

4. Dezember 2013 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Ein Panel beim National Arbitration Forum (NAF) verneinte in dem UDRP-Verfahren um die Domainnamen „flybluecig.com“ und „flyingbluecig.com“ eine Ähnlichkeit mit der „BLU ECIGS“-Marke der Beschwerdeführerin (Lorillard Technologies, Inc. v. Mr Paul Pearson / Advanced Diets, NAF Claim No. 1528825). Es ging davon aus, dass die in den Domainnamen zusätzlich enthaltenen Worte „fly“ und „flying“ und der fehlende Plural zu einen hinreichenden Abstand zwischen den Domainnamen und der Marke der Beschwerdeführerin schaffe, so dass keine Verwechslungsgefahr im Sinne des § 4(a)(i) der UDRP bestehe:

Contrary to the Complainant’s assertion, the Panel holds that the addition of  “FLY” and “FLYING” along with the lack of the “S” in the disputed domain names sufficiently differentiate the disputed domain names from the Complainant’s marks. See Tire Discounters, Inc. v. TireDiscounter.com, FA 679485 (Nat. Arb. Forum June 14, 2006)(finding that even minor changes are extremely persuasive in differentiating domain names from marks given that consumers are aware that these small differences are key to arriving at the sought-after website); see also Amazon.com, Inc. v. Integration Unlimited, Inc., FA 183725 (Nat. Arb. Forum Sept. 25, 2003) (finding the <amazonallergy.com> domain name was not confusingly similar to the complainant’s AMAZON.COM mark because the additional term “allergy” bore “little to no actual relationship with the activities performed under Complainant’s AMAZON.COM mark”). Given that disputed domain names not only add an additional term to each domain, but also delete a letter from the mark allegedly incorporated into the domains, the Panel holds that the disputed domain names are not confusingly similar to Complainant’s mark pursuant to Policy ¶ 4(a)(i).

Die Entscheidung ist insoweit bemerkenswert, weil UDRP-Panels üblicherweise davon ausgehen, dass eine verwechslungsfähige Ähnlichkeit regelmäßig schon dann gegeben ist, wenn die Marke des Beschwerdeführers in der Second-Level-Domain enthalten ist. Zusätzliche beschreibende Bestandteile innerhalb eines Domainnamens wie auch Abweichungen im Numerus werden dabei regelmäßig als unbeachtlich eingestuft.

Spielwarenmesse eG verliert UDRP-Verfahren um „spielwarenmesse.com“

29. Juli 2013 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Die Nürnberger Spielwarenmesse eG, Veranstalterin der größte Spielwarenmesse der Welt „Spielwarenmesse International Toy Fair“, ging gegen die Name Administration Inc. (BVI), Firma des bekannten Domaininvestors Frank Schilling, im Wege des UDRP-Verfahrens wegen des Domainnamens „spielwarenmesse.com“ vor und unterlag (Spielwarenmesse eG v. Name Administration Inc. (BVI), WIPO Case No. D2013-0744).

Das Panel ging davon aus, dass es sich bei dem Begriff „Spielwarenmesse“ um einen beschreibenden Begriff handelt und dass der Domaininhaber den Domainnamen beschreibend in Verbindung mit Spielzeug benutzt. Es kam zu dem Ergebnis, dass die Beschwerdeführerin nicht nachgewiesen habe, dass der Domaininhaber selbst kein eigenes Recht oder berechtigtes Interesse nach §§ 4(a)(ii) i.V.m. 4(c) der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) hat. In diesem Zusammenhang stellte das Panel auch fest, dass die Beschwerdeführerin selbst – wenn überhaupt – dann unter der tatsächlichen Bezeichnung der Messe „Spielwarenmesse International Toy Fair Nuremberg“ Bekanntheit erlangt haben könne und dass nicht nachgewiesen sei, dass der Beschwerdegegner zum Zeitpunkt der Registrierung des Domainnamens im jahr 2002 Kenntnis von den Rechten der Beschwerdeführerin hatte.

The Complainant has shown by various exhibits that its toy trade fair is one of the most important ones in this field. The Panel is therefore convinced that its fair has reached certain fame. However, this is not (necessarily) the case for the use of the term “Spielwarenmesse” as to uniquely identify the respective fair of the Complainant. As the Complainant points out in various sections of its Complaint, its fair is promoted in Germany and abroad under the name “Spielwarenmesse International Toy Fair Nuremberg”. The Panel can therefore not conclude on the evidence that the Complainant has made intensive use of the designation “Spielwarenmesse” for the purposes of its toy trade fair. That conclusion would not be reversed even by recognizing rights under the first element of the UDRP to the Complainant’s cooperative name as this name appears to be used as its legal and corporate designation only and not for commercial and promotional purposes of the toy trade fair.

As the Respondent has shown, its company engages in search advertising through its large portfolio of common words and phrases. This has been confirmed in at least two other administrative proceedings under the UDRP concerning the Respondent and quoted by the latter in its Response (DataServ, L.L.C. v. Name Administration Inc. (BVI), WIPO Case No. D2012-1538; Visa Europe Limited v. Name Administration Inc. (BVI), WIPO Case No. D2010-1531). Although the Respondent as a professional domain name registrant may have had some opportunistic awareness of a certain value of the selected Domain Name, the Complainant has not shown that the Respondent was aware of the existence of the Complainant at the time (2002) it acquired the Domain Name and that it would have targeted at any point of time the Complainant’s toy fair in Nuremberg.

Normally, in order to find rights or legitimate interests in a domain name based on the generic or dictionary meaning of a word or phrase contained therein, the domain name would need to be genuinely used or at least demonstrably intended for such use in connection with the relied-upon meaning.

The Panel has some doubts whether this criterion is fulfilled. The Respondent uses the Domain Name in connection with subjects relating to toys, not to toy fairs or toy-industry-trade shows around the world. It could therefore be argued that the Respondent is not using the term “Spielwarenmesse” in its genuine sense for the provision of pay-per-click links related to toy trade fairs; indeed, it appears that the Respondent’s website is concerned solely with links related to the commercial sale of retail toy items.

However, as the Respondent is using the Domain Name at least in relation to toys and considering the other above-mentioned criteria as well as the absence of other specific evidence in this respect, the Panel finds that the Complainant has, on the balance, not shown that the Respondent lacks rights or legitimate interests in the Domain Name in the sense of the second criterion of the Policy.

Darüber hinaus sah das Panel auch kein bösgläubiges Verhaltens nach §§ 4(a)(iii) i.V.m. 4(b) der UDRP auf Seiten des Beschwerdegegners. Die Beschwerdeführerin verfügte zum Zeitpunkt der Domainregistrierung durch den Beschwerdegegner noch nicht über eingetragene Markenrechte an dem Zeichen „Spielwarenmesse“ und erlangte solche Rechte erst durch Entscheidung des BPatG vom 12.09.2012 (29 W (pat) 79/12), mit welcher entschieden wurden, dass die Marke „Spielwarenmesse“ für die beanspruchte Dienstleistung in Klasse 35 „Veranstaltung von gewerblichen Fachmessen auf  dem Gebiet der Spielwaren“ aufgrund der nachgewiesenen Verkehrsdurchsetzung (§ 8 Abs. 3, § 37 Abs. 2 MarkenG) schutzfähig sei. In der selben Entscheidung stellte das Gericht allerdings auch fest, dass die Bezeichnung „Spielwarenmesse“ ist als beschreibende Angabe grundsätzlich nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG freihaltebedürftig sei.

UDRP: PNCBANK und PTCBANK nicht verwechslungsfähig

25. Juli 2013 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

Die The PNC Financial Services Group, Inc., Inhaberin der Marke PNCBANK, scheiterte bei dem Versuch, die Domainnamen <ptcbank.net>, <ptcbank.org>, <ptcbank.info>, <ptcbank.biz>, <ptcbank.mobi>, <ptcbank.ws>, <ptcbank.cc>, <ptcbank.co> und <ptcbank.me> im UDRP-Verfahren übertragen zu bekommen (The PNC Financial Services Group, Inc. v. James Anderson / PTCBank.net, NAF Claim No. 1504563). Das Schiedsgericht sah keinen Fall von Typosquatting und ging davon aus, dass bei einem aus drei Buchstaben gebildeten Akronym die Abweichung in einem einzigen Buchstaben ausreichend ist, um eine verwechslungsfähige Ähnlichkeit im Sinne des § 4(a)(i) der UDRP auszuschließen:

The Panel is extremely reluctant to find confusing similarity between a trademark consisting of a three-letter acronym and a domain name that has only two of those letters in common with the mark, especially where the domain name is not simply an obvious misspelling of the trademark.  The letters PTC in the disputed domain names here presumably refer to Respondent’s “paid-to-click” business model, but could also refer to any number of other terms or entities.  Wikipedia contains a description of the “paid-to-click” business model on a page that apparently dates back to 2007, long before Respondent’s registration of the disputed domain names.  SeePaid to Click, Wikipedia, http://en.wikipedia.org/wiki/Paid_To_Click.  Presumably there are many other things that PTC may refer to.  In addition, Complainant’s mark and the PTC variation exist within an extremely crowded trademark field:  there are numerous U.S. trademark registrations for PTC, as well as for PAC, PBC, PCC, PDC, PEF, and for nearly every other three-letter combination beginning with P and concluding with C.  The Panel therefore considers it unlikely that the disputed domain names would be confused with Complainant’s PNC mark.

Complainant has a stronger case for confusing similarity between the disputed domain names and its PNCBANK mark.  Nonetheless, PNC is the dominant component of that mark, while PTC is the dominant component of the disputed domain names, and the Panel does not consider them to be sufficiently similar.  Respondent’s use of Complainant’s logo on his website does not alter this conclusion, as the content of the website has no bearing on whether the domain names are confusingly similar to Complainant’s marks.

Im Ergebnis sicher eine gut vertretbare Auffassung. Auch nach der Rechtsprechung der deutschen Obergerichte und des EuGH ist anerkannt, dass sich bei aus Buchstaben bestehenden Zeichen die Möglichkeiten von Verwechslungen deshalb reduzieren, weil es sich in der Regel um Kurzzeichen handelt, bei denen einzelne Abweichungen erfahrungsgemäß stärker auffallen (vgl. BGH GRUR 2002, 1067 – DKV/OKV zur fehlenden (auch schriftbildlichen) Ähnlichkeit dieser Buchstabenfolgen; BPatG, Beschluss vom 10.12.2008, 26 W (pat) 14/07 – PDS/PSC zur Unähnlichkeit dieser Buchstabenfolgen; EuGH, Urteil vom 17.09.2008, Rs T-10/07 – FVB/FVD zur Ähnlichkeit dieser Buchstabenfolgen auf Grund der klanglichen und visuellen Ähnlichkeit zwischen „B“ und „D“).

UDRP: Keine Übertragung des Domainnamens fine-tubes.com an Inhaber der Wort-/Bildmarke finetubes

12. Februar 2013 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | Kein Kommentar

finetubesDer Inhaber der Wort-/Bildmarke „finetubes“ (Darstellung links) unterlag bei dem Versuch, den Domainnamen „fine-tubes.com“ im Wege des UDRP-Verfahrens übertragen zu bekommen (Fine Tubes Limited v. Tobias Kirch, J. & J. Ethen, Ethen Rohre GmbH, WIPO Case No. D2012-2211).

Der Beschwerdegegner verteidigte sich erfolgreich mit dem Argument, der Beschwerdeführer habe in der Vergangenheit erfolglos versucht, die Marke als reine Wortmarke anzumelden. Die Eintragung der Wortmarke sei vom Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (HABM) allerdings wegen deren beschreibenden Inhalts im Bezug auf die angemeldeten Waren „Rohre und Röhren aus Metall oder Legierungen; vollständig aus Schlauchleitungen oder Rohrleitungen bestehende Waren; Teile und Zusatzteile für alle vorstehend genannten Waren.“ abgelehnt worden:

Complainant has presented evidence of substantial use of the terms “Fine Tubes” in commerce. However, Respondent has provided evidence of rejection in 2004 by OHIM of an application by Complainant for registration of the word trademark “Fine Tubes” standing alone, with reference by OHIM to Article 7(1)(b) and 7(1)(c) of the Community Trade Mark Regulation that establish absolute grounds for refusal. The relevant paragraphs provide for refusal with respect to:

(b) trade marks which are devoid of any distinctive character;

(c) trade marks which consist exclusively of signs or indications which may serve, in trade, to designate the kind, quality, quantity, intended purpose, value, geographical origin or the time of production of the goods or of rendering of the service, or other characteristics of the goods or service;

Das Schiedsgericht ging vor diesem Hintergrund davon aus, dass der Beschwerdeführer keine Rechte an einer Marke habe, die mit dem streitgegenständlichen Domainnamen identisch oder verwechslungsfähig ähnlich im Sinne des § 4(a)(i) der UDRP sei:

The Panel determines that Complainant has failed to establish that it has rights in a trademark to which the disputed domain name is identical or confusingly similar.

Complainant having failed at this first stage, the Panel will not consider the issues of rights or legitimate interests or bad faith registration and use.

This administrative panel decision turns on the question whether the combination term “Fine Tubes” may be exclusively appropriated as a trademark by Complainant for use in relation to those products. Relevant trademark office authorities in the jurisdictions where Complainant and Respondent are headquartered have decided that the term may not be registered as a trademark. Complainant recently withdrew its application to register that term following examination by authorities in the United Kingdom, where it is based. Complainant may eventually decide to reengage with UK or OHIM trademark authorities and relevant courts on this matter. It is not inconceivable that Complainant will succeed. But, this Panel defers to the present state of affairs before the relevant trademark office authorities, noting that there is no compelling reason to reject their judgment in this particular matter.

Einrede der Verwirkung im UDRP-Verfahren (Laminex, Inc. v. Yan Smith, NAF Claim No. 1470990 – theidshop.com)

23. Januar 2013 | Kategorien: Domainrecht, UDRP | 1 Kommentar

Die UDRP-Panels sind bislang nahezu ausnahmslos davon ausgegangen, dass in UDRP-Verfahren kein Verwirkungseinwand erhoben werden kann. In diesem Zusammenhang wurde allenfalls davon ausgegangen, dass es mit der Zeit immer schwieriger wird, die einzelnen Tatbestandsmerkmale des § 4(a) der UDRP, insbesondere das Fehlen eigener Rechte oder berechtigter Interessen auf Seiten des Domaininhabers nach §§ 4(a)(ii) i.V.m. 4(c) der UDRP und die bösgläubige Registrierung und Benutzung nach §§ 4(a)(iii) i.V.m. 4(b) der UDRP, nachzuweisen. Nur eine verschwindend geringe Anzahl von Panels zog in der Vergangenheit in Betracht, dass Verwirkung unter sehr speziellen Voraussetzungen vorliegen kann.

Das Panel im Verfahren Laminex, Inc. v. Yan Smith (NAF Claim No. 1470990 (<theidshop.com>)) hat nun – soweit ersichtlich zum ersten Mal  – eine UDRP-Beschwerde alleine deshalb abgewiesen, weil die geltend gemachten Ansprüche nach Ansicht des Panels verwirkt waren.

Here, the record reflects the following.  Respondent registered the domain name in 1998 and has consistently done business selling novelty IDs since then, and under the name THE ID SHOP since 2003.  Respondent has invested substantial sums promoting its business and advertising that business on the Internet through the <theidshop.com> domain name.

The Complainant holds a trademark with the USPTO for the ID SHOP mark and has used that mark since 1989.  The focus of Complainant’s business is in the security industry where it works with hospitals, schools, manufacturing operations and other organizations which require valid photo identification cards.

Despite having the opportunity to do so, Complainant has offered no explanation for the 14-year delay in bringing this Complaint.  In light of the unexplained delay in bringing this proceeding, and the demonstrable harm to Respondent should the domain name be transferred, the Panel concludes that under the doctrine of laches, relief should be denied.

Bislang kann noch nicht abgesehen werden, ob sich die in der Entscheidung vertretene Auffassung durchsetzen wird. Zur Vermeidung von Nachteilen sollten Rechteinhaber in Zukunft jedoch in Erwägung ziehen, mit der Durchsetzung ihrer Rechte im Wege des UDRP-Verfahrens nicht unnötig lange zu warten.

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